US-Bundesanwaltschaft klagt vier weitere Personen wegen Verschwörung zu Drohungen mit „Hamas-Symbolen“ gegen jüdische Gemeinde in Detroit und University of Michigan an – Zahl der Angeklagten steigt auf 12

Detroit, USA
Die US-Bundesanwaltschaft hat vier weitere Personen in einem Fall von koordinierter Einschüchterung und Sachbeschädigung angeklagt, der sich gegen die Jewish Federation of Detroit im US-Bundesstaat Michigan, die Leitung der University of Michigan, die Universitätspolizei sowie Unternehmen richtete, denen Verbindungen zu Israel nachgesagt wurden. Jerome F. Gorgon, Jr., US-Bundesstaatsanwalt für den östlichen Bezirk von Michigan, gab am 30. Oktober (Ortszeit) bekannt, dass eine Grand Jury auf Bundesebene vier weitere Personen in diesem Zusammenhang angeklagt hat, womit sich die Gesamtzahl der Angeklagten auf 12 erhöht hat.
Bei den neu angeklagten Beschuldigten handelt es sich um Henry David MacKeen-Shapiro (23), Aaron Hunter Vonbargen (25), Joseph Mark Fisher (23) und Srishti Tarana Sharma (23). Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden MacKeen-Shapiro und Vonbargen in dieser Woche von den Strafverfolgungsbehörden festgenommen und sollten am Tag der Bekanntgabe zu ihrer ersten gerichtlichen Anhörung erscheinen. Die anderen beiden Beschuldigten sind weiterhin flüchtig.
„Von Pharao über Hitler bis zur Hamas … Diejenigen, die Juden terrorisieren, sind immer die Bösen“
Bundesstaatsanwalt Gorgon erklärte: „Diese mutmaßlichen Versuche, unsere jüdische Gemeinde und Amtsträger zu terrorisieren, sind nichts Neues.“ Er fügte hinzu: „Vom Pharao über Hitler bis hin zur Hamas waren diejenigen, die das jüdische Volk terrorisieren, schon immer die Bösen. Als Amerikaner ist es unsere Pflicht, die Bösen zu bekämpfen.“
Die US-Bundesstaatsanwaltschaft für den östlichen Bezirk von Michigan veröffentlichte am selben Tag auf ihrem offiziellen X-Konto die Nachricht über die vier weiteren Anklagen sowie die Äußerungen von Bundesstaatsanwalt Gorgon.
U.S. Attorney Announces Charges Against Four Additional Defendants in Sprawling Conspiracy Terrorizing Jewish Community, University of Michigan Officials
— U.S. Attorney EDMI (@USAO_MIE) 2026년 10월 30일
“These alleged attempts to terrorize our Jewish community and government officials are nothing new. From Pharaoh to Hitler to…
Jennifer Runyan, leitende Sonderermittlerin der FBI-Außenstelle Detroit, erklärte: „Diejenigen, die glauben, Familien terrorisieren und sich hinter einer Gruppe verstecken zu können, um sich der Verantwortung zu entziehen, sollten noch einmal nachdenken. Die Gerechtigkeit wird Sie finden.“ Sie fügte hinzu: „Diese zusätzlichen Anklagen belegen den anhaltenden Einsatz der FBI-Außenstelle Detroit und der zahlreichen lokalen, bundesstaatlichen und föderalen Behörden, die diese Ermittlungen unterstützen“, und dankte für die Koordination und Beharrlichkeit der US-Bundesstaatsanwaltschaft für den östlichen Bezirk von Michigan sowie aller Partnerbehörden.
Die FBI-Außenstelle Detroit berichtete am selben Tag auf ihrem offiziellen X-Konto über die weiteren Anklagen und schrieb: „Laut der Nachtragsanklageschrift entwickelten die Angeklagten und nicht angeklagte Mitverschwörer detaillierte Pläne mit dem Ziel, die University of Michigan und verschiedene Privatunternehmen dazu zu zwingen, alle vermuteten Beziehungen zu Israel nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 abzubrechen.“ Dem Beitrag waren ein Link zur Pressemitteilung und ein Bild beigefügt.
U.S. Attorney Announces Charges Against Four Additional Defendants in Sprawling Conspiracy Terrorizing Jewish Community, University of Michigan Officials
— FBI Detroit (@FBIDetroit) 2026년 10월 30일
According to the superseding indictment, the defendants and unindicted conspirators developed detailed plans designed to… pic.twitter.com/y4ilOoQLcz
Laut Nachtragsanklage … Auskundschaftung von Zielen über verschlüsselte Messenger, Wurf giftiger Chemikalien in Wohnhäuser
Laut der Nachtragsanklageschrift (superseding indictment) drohten die Verschwörer den ins Visier genommenen Personen, dass Vergeltungsmaßnahmen und Straftaten weiter eskalieren würden, sollten ihren Forderungen nicht nachgekommen werden. Die an diesem Tag entsiegelte Nachtragsanklage hielt fest, dass die Verschwörer verschlüsselte Messenger-Apps, Social-Media-Plattformen und ausländische Kollaborationstools nutzten, um die Opfer zu recherchieren, zu identifizieren und ins Visier zu nehmen.
Der Anklageschrift zufolge umfassten ihre Taten das Aufsprühen drohender Graffiti, das Einschlagen von Fenstern und das Werfen von Glasflaschen mit giftigen Chemikalien in Wohnhäuser. Die Verschwörer hinterließen an den Wohnungen und Arbeitsstätten der Opfer Symbole, die mit der Hamas in Verbindung stehen, wie etwa rote Handabdrücke und rote umgekehrte Dreiecke. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass das rote umgekehrte Dreieck ein von der Hamas genutztes Symbol zur Markierung von Tötungszielen ist.
Den Ermittlungsbehörden zufolge veröffentlichten die Verschwörer nach den Angriffen Fotos der Tatorte zusammen mit weiteren Drohbotschaften in den sozialen Medien. Die Staatsanwaltschaft erklärte, diese Beiträge hätten nicht nur dazu gedient, die unmittelbaren Opfer einzuschüchtern, sondern auch die Botschaft an andere Personen in der Gemeinschaft zu verbreiten, die Israel unterstützen. Ermittlungen ergaben, dass die Verschwörer damit ihre Entschlossenheit und Absicht demonstrieren wollten, ihre Verbrechen fortzusetzen, bis ihre Forderungen erfüllt würden.
Zu den Zielen der Einschüchterung zählten laut Staatsanwaltschaft die Jewish Federation of Detroit, zwei Mitglieder des Kuratoriums (Regents) der University of Michigan sowie weitere Angehörige der Universitätsleitung, ein Lieutenant der Universitätspolizei der University of Michigan, ein Student der University of Michigan sowie zwei Unternehmen, bei denen Verbindungen zu Israel vermutet wurden. Die Staatsanwaltschaft fügte ihrer Pressemitteilung Beiträge aus dem Social-Media-Konto „@safemich“ sowie Fotos von roten Handabdrücken bei, die auf dem Mobiltelefon eines Angeklagten sichergestellt worden waren.
Erste Anklage im Juni … „Töten, quälen und terrorisieren“
Die US-Bundesstaatsanwaltschaft für den östlichen Bezirk von Michigan hatte zuvor am 10. Juni 2026 bekannt gegeben, in diesem Fall erstmals acht Personen angeklagt zu haben. Bei den damals Angeklagten handelte es sich um Zainab Aliasgar Hakim (23, aus Canton, Michigan), Amatullah Aliasgar Hakim (21, aus Ann Arbor, Michigan), Paige Elizabeth Feyock (26, aus Ann Arbor), Ahmet Kerem Korkaya (28, aus Milwaukee, Wisconsin), Jonathan Hongru Zou (22, aus Ann Arbor), Alexander Matthew Sepulveda (23, aus Chicago, Illinois), Mariam Muhammed Odeh (24, aus Dearborn, Michigan) und Colin Hunter Weger (24, aus Ann Arbor).
Damals erklärte Bundesstaatsanwalt Gorgon: „In Amerika herrschen Gesetze, nicht Furcht.“ Er fügte hinzu: „Diese Drohungen und Versuche, Amtsträger, Unternehmen und die Jewish Federation zu terrorisieren, sind unamerikanisch (anti-American). Wir werden Einschüchterung mit Gerechtigkeit begegnen.“ Die leitende Sonderermittlerin Runyan sagte: „Mitten in der Nacht warfen maskierte und vermummte Angeklagte giftige Chemikalien durch die Fenster von Wohnhäusern von Familien und brachten Forderungsschreiben an den Eingangstüren an.“ Sie betonte: „Bei jedem Schritt versuchten sie, ihre Spuren zu verwischen und Beweise für ihre Verbrechen zu vernichten.“ Sie gab an, dass die bundesstaatenübergreifende Operation (multi-state), die sich über Michigan, Illinois und Wisconsin erstreckte, zur Festnahme mehrerer Angeklagter führte.
Laut der Mitteilung vom Juni leitete die FBI-Außenstelle Detroit die Ermittlungen mit Unterstützung der Abteilung für öffentliche Sicherheit und Ordnung der University of Michigan (Division of Public Safety and Security), der Polizeibehörden von Ann Arbor, Huntington Woods, Plymouth City, Bloomfield Township, Canton, Chicago, Southfield, Novi, Romulus, West Bloomfield und Ypsilanti sowie der Michigan State Police, der Polizei der Eastern Michigan University, des Michigan Intelligence Operations Center und der Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates Michigan (Michigan Department of Attorney General).
Der Staatsanwaltschaft zufolge begannen die Angeklagten und nicht angeklagte Mitverschwörer nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 eine Reihe koordinierter „Aktionen“, um die Führung der University of Michigan, Strafverfolgungsbehörden und Unternehmen einzuschüchtern. Die Verschwörer forderten öffentlich, sie müssten „die Aktionen eskalieren, mobilisieren und organisieren, um einen Desinvestitionsprozess mit allen notwendigen Mitteln zu fordern“.
Laut der damaligen Anklageschrift veröffentlichten die Angeklagten am 20. Oktober 2023 in den sozialen Medien Forderungen an die Leitung der University of Michigan. Sie forderten von der Universität einen „vollständigen und umfassenden Kapitalabzug (full and complete divestment)“ aus Israel und von allen Unternehmen, die Israel unterstützen. Unzufrieden mit der Reaktion der Universität machten sich die Angeklagten durch sogenannte „autonome Aktionen (autonomous actions)“ daran, gegen die Universitätsleitung „zur Tat zu schreiten“. Dazu gehörten das gewaltsame Eindringen in Universitätsgebäude und deren Besetzung, Sachbeschädigungen an Gebäuden sowie die Blockade und Störung von Campus-Veranstaltungen.
Laut Anklage hielten die Beschuldigten Treffen ab, um Ziele für ihre „autonomen Aktionen“ auszuwählen, und recherchierten im Internet nach persönlichen Informationen der Zielpersonen, darunter Wohnadressen, Fotos, politische und soziale Verbindungen sowie geschäftliche Eigentumsverhältnisse. Sie diskutierten auch Methoden, um den Zielpersonen und ihren Familien Schaden zuzufügen, darunter Gifte, Sprengsätze und psychologische Folter. Am 21. Mai 2024 einigten sich Feyock und der damalige Medizinstudent Korkaya darauf, Zielpersonen und deren Familien zu „töten (kill)“, zu „quälen (torment)“ und zu „terrorisieren (terrorize)“. Korkaya erklärte, die „gesamte Familie“ eines Opfers stehe auf seiner „Todesliste (hit list)“. Feyock fügte hinzu, man müsse sich die „Kinder“ von zwei Opfern „holen“.
Laut Anklageschrift suchten die Angeklagten nachts die Wohnsitze und Geschäftsräume der Zielpersonen auf, um Drohbotschaften und Symbole aufzusprühen. Dazu gehörten umgekehrte Dreiecke, die von der Hamas in Militärvideos zur Markierung von Tötungszielen verwendet wurden, rote Handabdrücke, die das Lynchen von Ramallah im Jahr 2000 und die Ermordung zweier israelischer Reservesoldaten während der Zweiten Intifada symbolisieren, sowie Parolen wie „INTIFADA“ und „DIVEST NOW“. Die Angeklagten hinterließen drohende Forderungsschreiben, versiegelten Türen mit Dichtungsmasse, sicherten Eingänge mit Fahrradschlössern, schlugen Fensterscheiben ein und warfen Glasflaschen mit Buttersäure (butyric acid) und Farbstoffen in Wohnhäuser. Sie fotografierten die Zerstörungen und stellten die Bilder mit Bildunterschriften wie „you cannot hide“ und „we only come back stronger“ ins Internet. Die Staatsanwaltschaft veröffentlichte zudem Fotos von drohenden Schmierereien am Gebäude der Jewish Federation of Detroit am ersten Jahrestag des Hamas-Terroranschlags vom 7. Oktober.
Auch Vorwürfe der Zeugenbeeinflussung und Beweismittelvernichtung
Die Anklage vom Juni warf Zainab Hakim und Feyock zudem Zeugenbeeinflussung vor. Der Anklageschrift zufolge planten die beiden, einen Studenten der University of Michigan aufzusuchen, von dem sie vermuteten, dass er mit den Bundesbehörden kooperierte, um ihn davon zu überzeugen, keine Informationen über die Straftaten der Angeklagten weiterzugeben. Feyock sagte anderen Mitverschwörern, dieser Student „muss neutralisiert werden (has to be neutralized)“, und kündigte an, eine „Leibesvisitation (strip search)“ durchzuführen, um zu prüfen, ob er Abhörgeräte trage. Hakim erklärte, dieser Student „wird uns ins Bundesgefängnis bringen“. Hakim und Feyock suchten den Studenten am 6. August 2024 auf.
Gegen Sepulveda wurde Anklage wegen Vernichtung von Eigentum zur Verhinderung einer Beschlagnahme (destruction of property to prevent seizure) erhoben. Der Anklageschrift zufolge warfen Sepulveda und Zou zwei Glasflaschen mit einer blauen Substanz und Speisekompost durch das Fenster des Wohnhauses eines Provosts der University of Michigan und sprühten ein rotes umgekehrtes Dreieck sowie Worte wie „Divest“ auf. Als Strafverfolgungsbehörden im April 2025 einen Durchsuchungsbeschluss in Sepulvedas Wohnung vollstrecken wollten, benachrichtigte ihn ein nicht angeklagter Mitverschwörer über einen verschlüsselten Gruppenchat, woraufhin Sepulveda die Daten auf seinem Mobiltelefon und Laptop löschte.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft droht bei einer Verurteilung wegen Verschwörung zur Übermittlung einer Drohung (Conspiracy to Transmit a Threat) eine Höchststrafe von fünf Jahren Haft, wegen Verschwörung zur Zeugenbeeinflussung (Conspiracy to Tamper with a Witness) eine Höchststrafe von 20 Jahren Haft und wegen Vernichtung von Eigentum zur Verhinderung einer Beschlagnahme eine Höchststrafe von fünf Jahren Haft; zudem kann für jeden Anklagepunkt eine Geldstrafe von bis zu 250.000 US-Dollar verhängt werden. Die Anklage wird von den stellvertretenden US-Bundesstaatsanwälten Sarah Resnick Cohen, Maggie Smith, Matthew Roth und Robert Kuhn vertreten.
Die Vorwürfe in einer Nachtragsanklageschrift sind lediglich Anschuldigungen, und für alle Angeklagten gilt bis zum Beweis ihrer Schuld vor Gericht die Unschuldsvermutung.
Quellen (KST)
- Pressemitteilung der US-Bundesstaatsanwaltschaft für den östlichen Bezirk von Michigan „U.S. Attorney Announces Charges Against Four Additional Defendants in Sprawling Conspiracy Terrorizing Jewish Community, University of Michigan Officials“ (2026-10-30): https://www.justice.gov/usao-edmi/pr/us-attorney-announces-charges-against-four-additional-defendants-sprawling-conspiracy
- Pressemitteilung der US-Bundesstaatsanwaltschaft für den östlichen Bezirk von Michigan „Department of Justice indicts eight conspirators who threatened University of Michigan officials, businesses, and the Jewish Federation“ (2026-06-10): https://www.justice.gov/usao-edmi/pr/department-justice-indicts-eight-conspirators-who-threatened-university-michigan
- Offizieller X-Beitrag der FBI-Außenstelle Detroit (2026-10-30): https://x.com/FBIDetroit/status/2116281557958721542
- Offizieller X-Beitrag der US-Bundesstaatsanwaltschaft für den östlichen Bezirk von Michigan (2026-10-30): https://x.com/USAO_MIE/status/2116200652686639200